Kriterien für nachhaltige Ausstellungen

Ausstellung “Haus der Berge”, Nationalparkverwaltung Berchtesgaden © Atelier Brückner, Michael Jungblut

Es gibt keine allgemein gültige Definition, ab welchem Punkt eine Ausstellung nachhaltig ist oder ab welchem Punkt sie aufhört es zu sein. Auch die vermeintlich nachhaltigste Ausstellung wird zur Belastung für Mensch und Natur, wenn zum Beispiel viele Besucher weite Strecken mit ihrem Auto zurücklegen müssen, um sie zu sehen, wenn ein Nachnutzungskonzept fehlt oder die fachgerechte Entsorgung nach Ablauf der Präsentation nicht mitgedacht wurde.

Die Problematik einer Beurteilung setzt sich in den Einzelbereichen von Ausstellungen fort. Wer als Ausstellungsmacher umweltfreundliche Produkte sucht, muss im Einzelfall entscheiden, welchen Informationen er vertraut: Herstellerangaben? Gütesiegeln und Zertifikaten? Testergebnissen? Umweltverbänden, Tagespresse oder Spezialforen zum Thema? Eine Orientierung ist nicht immer einfach, da sich die Beurteilungen teilweise widersprechen. So werden zum Beispiel von Herstellerseite manchmal Produkte generell als umweltfreundlich beworben, auch wenn gegebenenfalls nur ein kleiner, eventuell sogar zu vernachlässigender Teilaspekt umweltfreundlich ist. Aber auch wenn viele Aspekte eines Produkts auf Umweltfreundlichkeit hinweisen, kann schon eine umweltschädliche Eigenschaft so gravierend sein, dass sie alle positiven Aspekte überschattet.

Ökologisch ausgerichtete Gütesiegel und Zertifikate können für Ausstellungsmacher eine gute Hilfestellung für Entscheidungen sein. Doch Garanten für Umweltfreundlichkeit sind sie nicht unbedingt. Denn viele Gütesiegel und Zertifikate beleuchten und bewerten nur einzelne Aspekte eines Produktes. Unter anderem deshalb sind sie oft schwer vergleichbar. Und auch wenn unterschiedliche Gütesiegel und Zertifikate dieselben Aspekte derselben Produkte betrachten, zum Beispiel die Schadstoffemissionen von Holzwerkstoffen, können sich ihre Kriterien und Schlussfolgerungen deutlich unterscheiden. Als Konsument muss man sich schon sehr intensiv mit den jeweiligen Vergabekriterien beschäftigen, um sie in Relation zueinander setzen zu können.

Während in der Vergangenheit für die ökologische Bewertung von Produkten der Fokus teilweise auf isolierte Einzelaspekte beschränkt war, zum Beispiel auf die oben schon genannten Schadstoffemissionen, spielt heute der gesamte Lebenszyklus eine immer größere Rolle. So werden in produktbezogenen Ökobilanzen unter anderem auch Aspekte wie Rohstoffverbrauch, Energieaufwand, Transportwege und Entsorgungsprozesse ermittelt. Durch Ökobilanzen werden Produkte mit demselben Verwendungszweck untereinander besser vergleichbar. Allerdings sind Ökobilanzen hochkomplexe, fachlich sehr anspruchsvolle und sperrige Datensammlungen – kein gut zu nutzender Lesestoff für Ausstellungsmacher und interessierte Öffentlichkeit. Diese sind auf stärker aufbereitete Informationen angewiesen, wie sie zum Beispiel das internetbasierte ökologische Fachinformationssystem WECOBIS6 bietet. Das Portal wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in Kooperation mit der Bayerischen Architektenkammer betrieben und stellt gut strukturierte und herstellerneutrale Informationen zur Umwelt- und Gesundheitsrelevanz vieler Bauproduktgruppen und Grundstoffe zur Verfügung. Im Anhang werden weitere interessante Informationsquellen für eigene Recherchen genannt.

Für die umweltfreundliche Umsetzung von Ausstellungen lassen sich folgende allgemeine Kriterien benennen:

Ressourcenschonende Herstellung

Unsere Ressourcen werden immer knapper. Um sie zu schonen, sollten auch in Ausstellungen Materialien und Produkte zum Einsatz kommen, die mit einem möglichst geringen Energie- und Rohstoffeinsatz hergestellt werden oder die aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Außerdem sollten Ausstellungsmacher in allen Phasen der Ausstellungsumsetzung auf Abfallvermeidung achten. Auch damit leisten sie einen Beitrag zur Schonung von Ressourcen.

Schutz von Umwelt und Gesundheit

In Ausstellungen verwendete Materialien und Produkte sollten möglichst keine oder wenig Schadstoffe enthalten und sollten auch im Kontext ihrer Produktion und ihres Gebrauches möglichst keine Schadstoffe in die Umwelt abgeben.

Energiearmer Betrieb

Generell ist ein möglichst energiearmer Betrieb von Ausstellungen wünschenswert und ökologisch sinnvoll. Auch im Kleinen, beispielsweise bei Entscheidungen für oder gegen elektronische Geräte, können ökologische Weichen gestellt werden.

Aktualisierungs-/ Reparaturfähigkeit

Ausstellungsräume und ihre Ausstattung, insbesondere aber interaktive Ausstellungsstationen, sind hohen und höchsten Belastungen ausgesetzt. Ausstellungsbetreiber kämpfen mit besonders stabiler Bauweise und extrem robusten Oberflächen gegen die typischen Abnutzungserscheinungen an. Reparaturen, aber auch Aktualisierungen der Inhalte gehören zum Alltag von Ausstellungsbetreibern, und sie sollten schon bei der Konzeption der Ausstellung und bei allen Materialund Produktentscheidungen berücksichtigt werden. Möglichst alles, was kaputtgehen kann, sollte ohne großen Aufwand auswechselbar, reparabel und zur Not ersetzbar sein.

Weiter- und Nachnutzungsstrategien

Ausstellungen sind von großem Wert und dieser sollte optimal genutzt werden. Wenn folgende Fragen frühzeitig gestellt werden, erhöht sich die Chance enorm, dass sehr gute Nachnutzungsmöglichkeiten erkannt und genutzt werden, was teilweise auch finanzielle Vorteile mit sich bringen kann.

  • Für welche Institution oder Anwendung ist die Ausstellung noch interessant?
  • Kann sie in gleicher Form an anderer Stelle aufgebaut werden oder sind Umbauten nötig?
  • Kann eine Veränderung des Konzepts neue Perspektiven für eine Weiternutzung geben? (Zum Beispiel kann aus einer Dauerausstellung eine Wanderausstellung werden und andersherum.)
  • Machen einzelne, herausgelöste Teile der Ausstellung in einem anderen Kontext Sinn?
  • Ist ein Ringtausch der gesamten Ausstellung oder einzelner Exponate zwischen mehreren Ausstellungshäusern denkbar?

Entsorgung und Recycling

Die in Ausstellungen verwendeten Werkstoffe und Produkte sind nach Gebrauch, sofern sie nicht weiterverwendet werden können, den Vorschriften entsprechend zu entsorgen, damit ein möglichst großer Anteil des Abfalls recycelt werden kann. Die Entsorgungsbetriebe informieren über Vorgaben und Verfahren. Für manche Produkte bieten die Hersteller auch eigene Rücknahmesysteme an. Es lohnt sich für Ausstellungsmacher, solche Optionen bei der Produktwahl zu berücksichtigen.

Praxisbeispiele

Vergabekriterien festlegen und systematisch bewerten. Bild: Karen Hehnke.
Nachhaltigkeit als Vergabekritertium
Wer fordert, fördert