Ausstellungstechnik

Energiesparende Ausstellungstechnik

Energieverbrauchskennzeichnung

Unter Ausstellungstechnik werden in dieser Publikation zwei Bereiche betrachtet: Beleuchtungstechnik und Medientechnik. Umweltfreundliche Umsetzungen legen in beiden Bereichen den Schwerpunkt vor allem auf energieeffiziente Lösungen.

Wer technische Geräte einsetzt, sollte auf ihren Energieverbrauch achten und nur energiesparende Produkte einsetzen. Für aktuell mindestens zwei Produktgruppen, die in Ausstellungen Verwendung finden, ist eine Energieverbrauchskennzeichnung, auch EU-Etikett genannt, verpflichtend: Lampen und Videomonitore. Bei anderen Geräten sollte man vor dem Kauf entsprechende Herstellerangaben zum Energieverbrauch einholen und mit alternativen Angeboten vergleichen. Bezogen auf schon installierte Geräte können eigene Messungen sinnvoll und nötig sein, um „Energiefresser“ in der Ausstellung zu identifizieren und alternative Geräte oder Lösungen zu finden. In einigen Anwendungsfällen lassen sich durch Zeitschaltuhren, schaltbare Steckdosenleisten und Bewegungsmelder auch bei eigentlich energiehungrigen Geräten und Systemen beachtliche Einsparungen erzielen. Während sich Beleuchtungssituationen durch derlei Maßnahmen einfach und gut steuern lassen, ist das Konzept des An- und Ausschaltens von komplexen Geräten und Geräte-Konstellationen per Stromzufuhr gegebenenfalls höchst anspruchsvoll. Hier ist entscheidend, ob man als Ausstellungsmacher die teuren professionellen Schaltsysteme und Spezialgeräte einsetzen kann, oder ob auf die preiswerteren, schwerer kontrollierbaren Endverbrauchergeräte zurückgegriffen wird. Alle Konzepte, die auf dem Prinzip „Strom an / Strom aus“ basieren, machen es nötig, dass die Geräte, zumindest in der Betriebszeit der Ausstellung, auf Standby laufen, um dann bei Stromzufuhr hochzufahren.

Beleuchtungstechnik

In der Ausstellung “Haitec in der Urzeit” setzen LED-Lampen wichtige Ausstellungsinhalte in Szene. Foto: Die Etagen GmbH

In der Ausstellungstechnik fällt der Beleuchtung eine tragende Rolle bei der Präsentation der Exponate und Ausstellungsstationen sowie bei der Inszenierung des Ausstellungsraumes zu. Eine energieeffiziente Ausstellung zu betreiben heißt nicht, auf viel Licht zu verzichten. Auch mit wenig elektrischer Leistung kann mit einem energieeffizienten Leuchtmittel eine große Menge an Licht erzeugt werden. Wie sparsam ein Leuchtmittel ist, erkennt man beim Kauf an der auf einem Label ausgewiesenen Energieklasse. Seit 2012 wurde die bis dato gültige Kennzeichnung neu gestaltet: Die Klassen F und G entfallen; die Skala endet nun bei der Klasse E, und die bisherige Klasse A wurde aufgeteilt in die Klassen A, A+ und A++. Damit können besonders stromeffiziente Lampen besser unterschieden werden.27 Bei der Planung der Beleuchtung der Ausstellung sollte darauf geachtet werden, dass zumindest der Großteil der eingesetzten Leuchtmittel eine Energieeffizienzklasse von mindestens A aufweist.

Übersicht Eigenschaften verschiedener Leuchtmittel

Quelle: Wikipedia – „Lichtquelle“ und „Energiesparende Leuchtmittel“

Glühlampen

Der Verkauf von klassischen Allgebrauchsglühlampen ist aus ökologischen Gründen in den letzten Jahren deutlich eingeschränkt worden. Ihre Wärmeentwicklung ist sehr hoch, was neben dem Problem der Wärmeableitung auch die vergleichsweise sehr geringe Energieeffizienz mit sich bringt. Die Verwendung von klassischen Glühlampen ist unter dem Aspekt des Stromverbrauchs definitiv nicht empfehlenswert.

Halogenlampen

Halogenlampen versammeln einige Vorteile der klassischen Allgebrauchsglühlampen, wie natürliche Lichttemperatur mit guter Farbwiedergabe, Flimmerfreiheit und Dimmbarkeit, und sind etwa ein Drittel sparsamer als diese (Beispiel: 20 Watt Verbrauch; Helligkeit wie eine 30-Watt-Glühlampe). Allerdings können sie hinsichtlich ihrer Energieeffizienz den Vergleich mit anderen sparsamen Beleuchtungstechniken nicht bestehen und erweisen sich als nicht empfehlenswerte Stromfresser mit entsprechend schlechter Energieeffizienzklasse.

Kompaktleuchtstofflampen

Die Kompaktleuchtstofflampe, häufig auch einfach Energiesparlampe genannt, erzeugt mit nur einem Fünftel des Stroms die gleiche Helligkeit wie eine Glühlampe. Sie verfügt dabei über eine deutlich längere Lebensdauer als diese. Diese Pluspunkte werden durch gewisse Negativaspekte relativiert. Der größte Nachteil von Standardprodukten in diesem Bereich ist ihre oft nur mäßige Farbwiedergabe. Es gibt allerdings auch hochwertige Produkte mit guter Farbwiedergabe, die man an der Anfangsziffer 8 oder 9 des Kennzeichnungscodes erkennt. Für manche Einsatzbereiche in Ausstellungen scheiden Energiesparlampen gänzlich aus, weil sie eine gewisse Zeit brauchen, um ihre eigentliche Lichtstärke zu erreichen. Energiesparlampen enthalten geringe Mengen an Quecksilber und dürfen deshalb nicht über den Restmüll entsorgt werden. Sie können bei einer Schadstoffsammelstelle oder einem Wertstoffhof abgegeben werden. Auch manche Fachhändler nehmen alte Energiesparlampen zurück.

Halogen-Metalldampflampe

Halogen-Metalldampflampen gehören zu den Hochdruck- Gasentladungslampen und haben technisch gesehen mit Halogenlampen nichts gemein. Sie werden hauptsächlich in Anwendungsbereichen eingesetzt, wo große oder sehr große Lichtmengen bei langer Brenndauer (also mit wenigen Schaltvorgängen) benötigt werden. Typische Einsatzgebiete sind deshalb neben Schaufenster-, Verkehrs- und Außenbeleuchtungen eben unter anderem auch die Beleuchtung von Ausstellungen und Messen. Halogen-Metalldampflampen haben einen hohen Farbwiedergabeindex und gehören zu den effizientesten Leuchtmitteln. Sie müssen mit einem Vorschaltgerät betrieben werden und benötigen einige Minuten bis zur vollen Lichtleistung. Generell müssen Halogen- Metalldampflampen, wie auch Energiesparlampen, durch Entsorgungsfachbetriebe (Schadstoffsammelstellen oder Wertstoffhöfe) entsorgt werden.

LED-Lampen

LED-Lampen (von Englisch: light-emitting diode, zu Deutsch: Licht-emittierende Diode) sind sowohl in der Nutzung als auch in der Herstellung sehr effizient. Laut einer Studie der Stiftung Warentest (5/2013) ist die Ökobilanz von LED-Lampen deutlich besser als die von Kompaktleuchtstofflampen oder Halogenlampen. Zu beachten ist allerdings, dass für den Bau von LED seltene Erden verwendet werden, von denen es weltweit nur wenige Lagerstätten gibt.28 Gleichwohl punkten LED-Lampen auch durch lange Lebensdauer. Mit ihnen eröffnet sich eine Fülle neuer Gestaltungsmöglichkeiten. Die LED-Lampen sind im Prinzip winzige Lichtpunkte, die in sehr verschiedene Formen gebracht werden können: vom flexiblen Leuchtband über indirekte Beleuchtung bis zum Sternenhimmel. Aus kreativer Sicht sind die neuen LEDs deshalb sehr interessant.

Technische Lösungen als Kulissenersatz

Durch eine interaktive Projektion können die Besucher eine Winterlandschaft in eine Frühlingsszene verwandeln. Fotos: Ausstellung „Haus der Berge“, Nationalparkverwaltung Berchtesgaden, © Atelier Brückner, M. Jungblut

Landschaftspanorama auf Tablet mit "Augmented Reality"-Elementen

Durch Augmented Reality können zusätzliche Informationen auf Exponate oder wie hier eine Landschaft projiziert werden. Foto: Die Etagen GmbH

In den meisten Ausstellungen wird umfangreiche Medientechnik zu Vermittlung der Ausstellungsinhalte eingesetzt. Die geschieht in den verschiedensten Formen und Ausprägungen. Typische Beispiele sind Filmprojektionen und interaktive PC- und Spiele-Stationen. Letztere sind gerade bei jüngeren Ausstellungsbesuchern beliebt, besonders wenn sie den Ausstellungsbesuchern zum Beispiel über den Einsatz von Kinect-Technologie raumgreifende und bewegungsorientierte interaktive Angebote machen. Bestimmte Ausstellungskonzepte zielen auch explizit darauf ab, Ausstellungserlebnisse zu schaffen, die nicht mehr zwingend an einen konkreten Ausstellungsraum gebunden sind, sondern die schwerpunktmäßig über das Internet und die sozialen Netzwerke kommuniziert und rezipiert werden. Ein ökologischer Aspekt bei der Nutzung moderner Medientechnik in Ausstellungen ergibt sich durch die Möglichkeit, mit modernen Medien ressourcenaufwendige Aufbauten zu ersetzen, etwa einen materialintensiven Kulissenbau durch eine Projektion. Ressourcen können hier insofern geschont werden, als dass weniger Materialien beim Bau benötigt und auch in der weiteren Nutzung weniger Ressourcen erforderlich werden: Das Bild einer Beamer-Projektion kann gegebenenfalls einfacher ausgetauscht werden als eine Kulisse; zudem entsteht potenziell weniger Abfall. Allerdings benötigt auch die Produktion und der Betrieb von Elektrogeräten Energie und Ressourcen. Und nur eine fachgerechte Entsorgung der Altgeräte kann die Folgen von ökologisch problematischen E-Schrott-Exporten bannen. Auch der zunehmende Einsatz von „Augmented Reality“-Anwendungen (kurz AR, Englisch für erweiterte Realität) in Ausstellungen kann unter dem Aspekt betrachtet werden, dass mit ihnen bestimmte, gegebenenfalls besonders materialintensive Maßnahmen eingespart werden können. Die AR-Technik benötigt zwei Komponenten: Ein reales Objekt, das als Marker fungiert, und ein mobiles Endgerät (Smartphone oder Tablet) mit App und Kamerafunktion, das in seinem Display diesen Marker durch ein vorbestimmtes Element ergänzt oder ersetzt. So können zum Beispiel die Abbildung eines Knochenskeletts oder auch ein ganz reales Knochenskelett in einer Ausstellung als Marker dienen und im Display des Betrachters per AR-Technik mit einer Muskel- und Hautschicht ergänzt und als komplettierter Dinosaurier dargestellt werden. Dieser Dinosaurier, um beim Beispiel zu bleiben, kann animiert sein und für interaktive Angebote bereitstehen. Ein anderes Beispiel stammt aus einer nicht zeit- aber ortsfernen Sphäre: Der Unterwasserwelt. Wenn Besucher auf bereitliegenden Tablets eine AR-Unterwasserwelt aus der Perspektive eines Tauchers interaktiv erkunden können, kann dies so spannend und faszinierend sein, dass ein echtes Aquarium mit all seinen Reizen und seiner letztendlich obligatorischen “Drinnen-Draußen-Architektur”, nicht automatisch gegen die besondere Perspektive ankommt, die der Betrachter durch AR-Technologie einnehmen kann. Ob dadurch in einer Ausstellung ein Aquarium eingespart werden könnte oder sollte, oder ob auch eine Ergänzung klassischer Rezeption durch AR-Angebote interessant sein kann, liegt im Ermessen des Ausstellungskonzepters. In jedem Fall bieten auch ARAngebote dem Besucher echte Erfahrungen und Erlebnisse.

Mobile Geräte: „Bring Your Own Device“

Mobile Endgeräte, insbesondere Smartphones, bieten von Haus aus etliche interaktive Funktionen, die in Ausstellungen typischerweise angeboten werden, zum Beispiel Audioguides, PC-Anwendungen, Filme. Die klassisch-technischen Lösungen bedürfen in der Regel eines großen Investitionsaufwandes, haben hohe Wartungskosten und sind recht fehleranfällig, was nicht selten zu einem Ausfall von Teilen der Ausstellung führt. Dann stehen Besucher möglicherweise vor schwarzen Bildschirmen oder interagieren mit defekten Ausleihgeräten. Mit dem „Bring Your Own Device“-Ansatz werden die vom Besucher selbst mitgebrachten Geräte zum Anzeigen und Abspielen der Ausstellungsinhalte genutzt. Als multimediale Geräte vereinen sie viele bisherige Lösungen. Text, Bild, Video und Ton werden durch das eigene Smartphone in einer für den Besucher bekannten Umgebung zusammengeführt. Dieser Ansatz ist spannend und ausbaufähig: Mit ihm können auch Angebote realisiert werden, die mit bisherigen Ausstellungsmethoden schwer umzusetzen sind, wie zum Beispiel „Serious Games“, also digital gestützte Spiele mit pädagogischem Zweck. Hinzu kommt ein willkommener Nebeneffekt: Wenn Besucher sich über einen Ausstellungsbesuch eine Ausstellungs-App herunterladen, können sie die aufgenommenen Informationen zu Hause vertiefen, sie ihren Freunden und Bekannten zeigen und ihre Erfahrungen in sozialen Netzwerken teilen. Dieser Ansatz geht von einer weiten Verbreitung von Smartphones aus und macht sich diese zunutze. Der Einwand, nicht alle Besucher hätten ein Smartphone, sollte durch ein Leihangebot beantwortet werden. Besucher, die kein eigenes Smartphone mitbringen, können so ebenfalls am medialen Ausstellungserlebnis teilhaben. Die zunehmende Verbreitung mobiler Endgeräte kann dies perspektivisch überflüssig machen.

Klimaschonendes Hosting: Websites und Server

Die aktive Bewerbung und Vermarktung von Ausstellungen über eine Internetpräsenz, sei es über eine Programmseite oder als eigenständige Website, ist für Ausstellungsmacher heute Standard. Ist diese Vermittlungsstrategie umweltfreundlich? Der Strom- und Ressourcenverbrauch von Servern, die Internetanwendungen bereitstellen, ist immens. Um die eigene Website „klimaneutral“ zu stellen, bietet eine Reihe von Dienstleistern einen einfachen Service an. Durch die Registrierung und die Zahlung eines jährlichen Beitrags, basierend auf der Anzahl der Besucher der eigenen Website, werden Klimaprojekte finanziert, zum Beispiel erneuerbare Energieanlagen. Im Gegenzug erhält man eine Grafik, die auf der eigenen Website eingesetzt werden kann und jedem Besucher das Engagement zeigt. Hintergrund ist hier ein rein rechnerischer Umweltschutz. Alternativ dazu bieten sich technische Dienstleister an, die die Server mit Ökostrom betreiben. Entsprechende Anbieter sind leicht im Internet zu finden. Umweltschädliche Stromerzeugung wird hier nicht nur rechnerisch ausgeglichen, sondern faktisch minimiert.